Geschichte Portugals
Portugal ist
eines der ältesten Länder der Welt. Im 8.
Jahrhundert eroberten die Mauren das Land und
brachten ihr enormes Wissen mit, sowohl in der
Landwirtschaft, dem Handel und der Wissenschaft.
Mit Ausnahme der herrschenden Oberschicht wurde
das Eintreffen der Muslimen begrüßt, ja sogar
als Befreiung angesehen. Ein Zeichen dafür ist
die sprachliche Annäherung (z.B. leitet sich
Algarve ab aus dem arabischen Al Garbh und
bedeutet das Land im Westen). Wären die Muslimen
als feindliche Invasoren empfunden worden, hätte
sich das sicherlich in der Beibehaltung der
eigenen Sprache gezeigt. Die herrschende
Oberschicht aber wehrte sich gegen die
Machtübernahme und während der Reconquista
eroberten christliche Heere bis ins 12.
Jahrhundert das Land zurück. Im Jahre 1139 wurde
unter Alfonso I. das Königreich Portugal
gegründet.
Während der muslimischen
Herrschaft hatten die Portugiesen das Wissen der
Juden und Araber sehr geschätzt. Das christliche
Königshaus erkannte die Chancen und hielt auch
weiterhin jüdische und arabische Wissenschaftler
im Land. Aufgrund der Randlage am westlichen
Ende des europäischen Kontinents begann man früh
den Blick aufs Meer zu richten und gründete 1415
in Sagres bei Lagos die erste Seefahrerschule
der Welt. Damit war der Grundstein für eine
führende Seemacht gelegt. Heroische
Erkundungsreisen über die Weltmeere folgten, die
jüdischen und arabischen Wissenschaftler
garantierten den wissenschaftlichen Hintergrund
und so entdeckten die Portugiesen als erste
Menschen die Meereswege nach Indien, Brasilien,
China und Japan. Das war die Basis für den
Handel mit Gewürzen aus Indien sowie Gold und
Edelsteinen aus Brasilien. Kolonien in
Brasilien,
Afrika,
Arabien,
Indien und
China ließen
Portugal zur Weltmacht und reichsten Nation
Europas werden.
Bis 1580 die königliche
Familie ausstarb. Aus dynastischen Gründen fiel
das Land an das spanische Königshaus, die
Habsburger.
Unter der spanischen Herrschaft verlor Portugal
seine Eigenständigkeit und sankt zu einer
spanischen Provinz ab. Erst 1640 konnte es sich
mit englischer Hilfe wieder aus der spanischen
Umklammerung befreien. Doch in den 60 Jahren der
spanischen Herrschaft hatte Portugal seine
Führung auf den Weltmeeren verloren und es
gelang ihm nie mehr, zu seiner alten Stärke
zurückzukehren, im Gegenteil, das Land geriet
außen- und wirtschaftspolitisch in immer größere
Abhängigkeit von
England und
musste 1663 auch seine Kolonien in Ostasien an
England abgeben. 1755 ereilte Portugal eine
Katastrophe: Lissabon und die Algarve, hier
insbesondere Lagos, wurden von einem
verheerenden Erdbeben, das damals ganz Europa
erschütterte, und einem darauf folgenden Tsunami
fast vollständig zerstört. Und 1822 verlor
Portugal seine wichtigste Kolonie – Brasilien
erklärt seine Unabhängigkeit vom Mutterland.
Portugal versuchte, dies aufzufangen indem es
seine afrikanischen Kolonien ausdehnte, doch die
wirtschaftlichen Probleme blieben gravierend
(Staatsbankrott 1891). Da auch die politische
Situation äußerst instabil war gab es 1910
schließlich eine Revolution. Die Portugiesen
schafften als erstes europäisches Land die
Monarchie ab und riefen die Republik aus. Es
folgten zwei schwere Jahrzehnte, in denen das
Land in ein politisches Chaos stürzte: 40
Regierungen mit 8 Präsidenten in 15 Jahren. Dies
endete 1926 in einem Militärputsch und einer
Militärdiktatur. In dieser Zeit wurde António de
Olivera Salazar zum Finanzminister ernannt. Es
gelang ihm, binnen weniger Jahre den
Staatshaushalt auszugleichen und sämtliche
Auslandsschulden zu begleichen. 1932 wurde er
zum Premierminister ernannt und sein Aufstieg
zum eigentlichen Diktator Portugals begann. Er
errichtete einen klerikal geprägten autoriären
Ständestaat mit einer staatlich kontrollierten
Planwirtschaft, Estado Novo (Neuer Staat)
genannt. Dieser wird gerne mit der
Militärdiktatur Francos in Spanien verglichen,
aber im Gegensatz zu Francos Regime fehlten der
portugiesischen Diktatur unter Salazar die Züge
einer faschistischen Ideologie. Überdies kannte
Portugal keine Todesstrafe und so war Salazars
Regime weit weniger blutig als das anderer
diktatorisch regierter Länder zu dieser Zeit.
Innenpolitische
erreichte Salazar eine Stabilität,
außenpolitisch steuerte er während des
Spanischen Bürgerkrieges und des Zweiten
Weltkrieges einen Mittelweg: er stellte sich nie
offen zu den Nationalisten in Spanien und
Deutschland, machte aber Geschäfte mit ihnen.
Gleichzeitig überließ er den Alliierten auf der
anderen Seite nach Geheimverhandlungen die
Kolonie Azoren als Militärbasis.
Seine Strategie, mit einem
großen Kolonialbesitz international eine
wichtige Rolle zu spielen, brachte Portugal 1949
den Beitritt in die NATO, wurde der Diktatur
später aber zum Verhängnis. 1961 brachen in den
Kolonien in Afrika Unabhängigkeitskriege aus.
Das Fortsetzen dieser Kriege führten zu
steigender Staatsverschuldung und
Inflation und
einer zunehmenden außenpolitischen Isolierung.
Die zusätzliche Aussichtslosigkeit der Kriege
und eine einhergehende Wirtschaftskrise
(verstärkt durch die Ölkrise 1973) führten bei
Militär und Bevölkerung zu zunehmender
Unzufriedenheit und am 25.April1974 kam es zum
Aufstand der Armee. Die Bevölkerung jubelte den
Befreiern zu, steckte den Soldaten roten Nelken
an die Uniformen und in ihre Gewehrläufe
(Nelkenrevolution). Im Gegensatz zu
Militärputschen
in anderen Ländern hatte der Aufstand der
Offiziere in Portugal durch Massenbekundungen
der Bevölkerung eine demokratische Legitimation
erhalten. Die unblutige Nelkenrevolution
beendete die älteste
Diktatur
Europas und führte die portugiesische Republik
in die Gemeinschaft der westlichen Demokratien
zurück. 1986 trat Portugal in die EG ein.
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