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Bericht aus der Schweizer Wander-Revue
von Marianne Voss

Grüne Hügel, wilde Steilküsten, einsame Strandbuchten und eine blühende Natur: So zeigt sich die berühmte Algarve dem Reisenden im Frühling. In der abwechslungsreichen Landschaft können wunderschöne Küstenspaziergänge, Bergbesteigungen oder Rundwanderungen unternommen werden.

Die südlichste und kleinste Provinz Portugals, die Algarve, wird im Sommer von Feriengasten aus ganz Europa überflutet. Die Hotels und Apartmentanlagen in den Touristenhochburgen Albufeira oder Portimão sind voll besetzt und an den berühmten Sandstränden liegen die Sonnenhungrigen dicht an dicht. Während der Sommermonate ist es in der Algarve sehr heiß und es fällt kaum Regen. Daher erlebt der Feriengast dann abseits der Strände eine eher unwirtliche Gegend: dürre Wiesen, kahles Buschwerk und ein ausgetrocknetes, braunes Hinterland.

Nicht so zwischen Oktober und April! Bereits nach den ersten Regenfällen im Herbst beginnt es zu grünen und ab Januar verwandelt sich die Algarve in einen großen, blühenden Garten. Wer ihn durchwandert, den erwarten duftende Blu­men und Sträucher, zwitschernde Vögel und meckernde Ziegen, die im Schatten von Feigenbäumen weiden. Die von einer üppigen Vegetation gesäumten Wege entlang der Küste und im Landesinnern laden zu kurzen oder ausgedehnten Wanderungen ein, die menschenleeren Sandbuchten zum Verweilen und Träumen. Es kann auch im März und April durchaus noch ein frischer Wind wehen oder einmal regnen. Bei Sonnenschein steigt das Thermometer jedoch schnell auf 20 Grad und man sieht schon einzelne Hartgesottene, die im kühlen Meer schwimmen gehen.

Überschaubar und abwechslungsreich
Die Algarve hat eine überschaubare Größe. Die Südküste vom westlichsten Punkt, dem Cabo de São Vincente, bis zur spanischen Grenze misst 155 Kilometer; die nördlich gelegene Provinz Alentejo ist nur 50 Kilometer entfernt. Dennoch hat die Region sehr vielfältige Gesichter. An der Südküste findet man die berühmten, bizarr geformten und in der Sonne golden leuchtenden Muschelkalkfelsen sowie unzählige lauschige Buchten, aber auch lang gezogene Sandstrände.

Die Westküste mit ihren dunklen, bis zu 100 Meter hohen Felsklippen gestaltet sich im Gegensatz dazu eher rau wild, aber auch romantisch. Dort entlang erstreckt sich der Naturpark der Costa Vicentina, ein Schutzgebiet mit einer nahezu lieblichen Landschaft, wo nicht gebaut und nur im herkömmlichen Stil Landwirtschaft betrieben werden darf. Im Landesinnern erhebt sich hinter einigen Hügelzügen die Serra de Monchique mit den beiden Gipfeln Foia und Picota. Die Berghänge waren alle dicht bewaldet, brannten aber im Sommer 2003 ab. Inzwischen ist jedoch schon wieder grünes Buschwerk nachgewachsen. Von den verheerenden Waldbränden im Sommer 2004 in der Algarve war hingegen nicht das Gebiet der Serra de Monchique betroffen.

Noch ein ganz anderes Landschaftsgesicht hat der Parque Natural da Ria Formosa im Feuchtgebiet zwischen Faro und Manta Rota. In diesem Wattenmeer mit Sandinseln und Lagunen leben zahlreiche Vogelarten.

Entlang der Südküste
Als Unterkunft haben wir uns nicht eines der bekannten Hotels an der Südküste ausgesucht, sondern eine familiär geführte Quinta (ehemaliger Gutshof), die im Grünen und nur wenige Kilometer von Lagos entfernt liegt. Von hier aus erreichen wir mit dem Mietauto in kurzer Zeit unzählige Ausgangspunkte für wunderschöne Wanderungen. Gleich am ersten Tag zieht es uns an die Küste. Der Ausgangspunkt der Tour ist der neue Yachthafen von Albufeira. Von dort wandern wir auf schmalen, aber meist bequemen Sandpfaden der Küste entlang Richtung Westen. In Anbetracht der lieblichen und farbenfrohen Natur könnte man ebenso vom Lustwandeln in einem Garten sprechen.

Der Weg verläuft meistens etwas erhöht über dem Meer und gibt immer wieder den Blick frei nach unten auf die eindrücklichen, bizarren Gesteinsformationen, welche von den Wellen umspült werden. In regelmäßigen Abständen zweigen Pfade ab hinunter in kleine Sandbuchten mit versteckten Plätzchen zwischen den Felsen. Wir gehen aber oben weiter, unter weit ausladenden Schirmpinien hindurch, vorbei an Akazien und meterhohen Agaven. Streckenweise führt der Weg mitten durch Felder von gelb- oder lila blühenden Mittagsblumen. Die Sonne scheint angenehm warm und lässt die goldenen Felsen, das blaue Meer und die Vegetation in starken Farben erleuchten. Trotz all der Schönheiten müssen wir aber einen klaren Kopf behalten, denn an einzelnen Stellen ist der Weg abgerutscht oder es öffnen sich an dieser zerklüfteten Küste plötzlich Risse im Untergrund. In der Bucht "Praia da Coelha» (Strand der Hasin) ist das kleine Strandlokal bereits geöffnet, und wir genießen ein Glas gespritzten Weißen mit Blick auf Wellen und Felsen.

Duftende Orangenblüten
Auch etwas weiter westlich, von Lagos aus Richtung Sagres, können lange Küstenwanderungen unternommen werden. An diesem Abschnitt durchquert man verschiedene verträumte Ortschaften (Luz, Burgau, Salema) mit den charakteristischen weißen Flachdachhäusern. Und von hier aus gibt es auch Busverbindungen zurück zum Ausgangspunkt.

Im Landesinnern kann man hingegen kaum mit öffentlichen Verkehrsmitteln rechnen. Dort ist man häufig gezwungen, denselben Weg wieder zurückzugehen - was sich aber wegen des umgekehrten Blickwinkels auch als sehr schön erweist ­oder man wählt eine Rundwanderung. Solche entdecken wir in der Nähe von Silves, der einstigen Hauptstadt der Algarve. Eine davon führt entlang von Levadas (Bewässerungskanälen) und Flüssen, umrundet einen Hügel und endet wie der beim Parkplatz. Auf dieser Wanderung erleben wir eine völlig andere Algarve: Gärten mit Orangenbäumen, die Aussicht auf ein weites Flusstal, Schwärme von kreisenden Störchen und ais Begleiter die Levada, der fast eben verlaufende Wasserkanal. Hier wird uns klar, dass Orangenbäume gleichzeitig blühen und reife Früchte tragen. Einerseits betört uns nämlich der süße Duft der Blüten, andererseits verlocken die leuchtend reifen Früchte...

Auf den Gipfel oder in den Westen
Bevor wir an die Westküste der Algarve weiterreisen, lassen wir es uns nicht nehmen, eine der höchsten Erhebungen der Provinz, die 773 Meter hohe Picota, zu ersteigen. Auf der Fahrt zum Dorf Monchique bewundern wir die blühenden Judasbäume und Zistrosen am Straßenrand. Und nach einem etwas beschwerlichen Aufstieg zwischen Terrassenfeldern und durch Korkeichenwälder werden wir nach knapp zwei Stunden mit einer fantastischen Aussicht über das hügelige Land bis zum glitzernden Meer belohnt.

Für die Erkundung des Westens lassen wir uns in der Pousada in Sagres nieder, ein Hotel, das durch seine geniale Lage direkt über der Steilküste besticht. Etwas nördlich, im Naturpark der Costa Vicentina, gibt es vom hübschen Dorf Bordeira ausgehend zwei beschilderte Rundwanderungen (12 und 18 Kilometer Länge). Am Dorfrand ist eine Gruppe älterer Frauen in schwarzen Kleidern daran, liebevoll die Palmen an der Strasse zu bewassern. Sie grüssen freundlich. Mithilfe einiger Brocken Portugiesisch erklären wir unsere Wanderpläne. Ja, dort müsse es schön sein, aber so weit seien sie noch nie gegangen. - Nach dem Durchqueren eines grünen Tales, wo wir einen Storch bei seiner Froschmahlzeit und einen Fischotter aufscheuchen, verlassen wir aber die beschilderte Route. Wir gehen geradeaus auf sandigen Pfaden weiter, bis sich nach einigen Sanddünen plötzlich das in der Sonne glitzernde Meer vor uns auftut. Wir lassen uns im warmen Sand nieder, staunen in die unendliche Weite des Atlantiks und starken uns mit frischen Algarve-Orangen.

Anreise
Linienflüge ab Zürich und Genf nach Faro, normalerweise mit Umsteigen in Lissabon. Im Sommer gibt es Charterflüge direkt nach Faro.

Unterkünfte
In der Vorsaison ist es kein Problem, unangemeldet eine Unterkunft zu finden.
• «Quinta das Barradas» nahe Lagos im Grünen, www.quintadasbarradas.com, Tel. 0035 1 282 770200 (die Besitzerfamilie spricht Deutsch).

Wanderkarten, Wanderbücher
Verlässliche Wanderkarten waren nicht aufzutreiben, beschilderte Wege sind die Ausnahme. Ein hilfreicher Führer ist das Buch «Algarve» auf Deutsch oder Englisch, von Sunflower Books, 2000, mit Updates auf www.sunflowerbooks.co.uk, zu Fr. 18.60 im Buchhandel. Auch damit ist aber eine Portion Abenteuerlust gefordert, denn seit Erscheinen des Buches verlaufen verschiedene Wege anders oder sind nicht mehr passierbar.

Öffentlicher Verkehr
Die Südküste und das Bergdorf Monchique sind mit Bus- respektive Zugverbindungen einigermaßen erschlossen. Ansonsten ist die Fortbewegung mit öffentlichem Verkehr schwierig.

Informationen
Portugiesisches Verkehrsbüro, ICEP-Portugal, Zelt­weg 15, 8032 Zürich, Tel. 0041 43 268 87 68, icep@icep.ch, www.portugalinsite.com 

Geführte Wanderreisen
«Baumeler Reisen» bietet in der Algarve verschiedene geführte Wandertouren an. www.baumeler.ch, TeL. 0041 41 418 65 65.

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Putten Restaurant Silvester 2004 2005
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